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Die Reise
Veröffentlicht von: Gryphus
am 12. Januar 2008 um 15:50 Uhr
Straff bläht der Wind die Segel. Zufrieden mit sich und seiner
Mannschaft nickt der Kaptiän in die Runde und geht wieder in sein
Quartier zurück. Der Steuermann, ein erfahrener Matrose, ruft Richtung Bug: " Sind wir noch auf dem richtigen Kurs?"
Pedrag folgt den Worten mit den Augen. Am Bug vorne steht eine Kerra, der Wind zaust an ihrem Fell. Sie hat die Arme ausgestreckt und die
Robe, die sie trägt weht im Wind hin und her. "Eine Priesterin, die den Navigator ersetzt!" Er hält diese Änderung immer noch für sinnlos.
Er geht zu der Kerra und stellt sich neben sie. Die Priesterin lächelt und fragt leise: " Kannst Du wirklich nichts spüren?"
Der Halbelf seufzt und lässt das Pierching oberhalb der Lippe unwillig klicken. "Du fragst mich jeden Tag, seitdem wir unterwegs sind und nein, ich spüre immer noch keine komische Kraftdinger!"
Die Kerra muss schmunzeln: "Deine Heftigkeit fasziniert mich jedesmal
aufs Neue. Die Kraftlinien können von fast jedem gespürt werden, aber mit welchem Einsatz Du Dich dagegen wehrst, macht mich traurig. Es kann unser Leben retten, wenn jeder hier auf dem Schiff die Linien spüren
kann! Wir wissen nicht, was passieren wird und es könnte sein, dass ich diese Aufgabe nicht mehr übernehmen kann. Du solltest etwas offener für Deinen Geist sein, auch wenn Du diesen im Kampf selten brauchst."
Ach, es ist jedesmal dasselbe! Wütend dreht sich Pedrag weg und geht wieder zu einem Tau, an dessen Schlingen auf dem Deck er seinen Rücken lehnt.
Die Priesterin ist niedergeschlagen und denkt: "Wieso öffnet er seinen Geist nicht? Ich spüre, dass er es könnte, aber irgendwas hindert ihn daran. Ob er etwas vergessen will und deshalb seinen Geist so verbissen sperrt?"
Die wachen Augen des Halbelf schweifen über die anderen der Mannschaft. Da ist die Halblingsfrau, fürs Kochen zuständig und immer am
meckern, der Gnom, der eigentlich navigieren sollte, aber immer
noch versucht, seine Instrumente in Gang zu bekommen, der Steuermann, ein stiller Mensch, dessen Haut wettergegerbt ist, die Kerra, eine Priesterin die im letzten Moment angeheuert hat, mit der Begründung sie könne den Kurs auch ohne Sterne des nachts halten, und der Kapitän. Stark wie ein Pferd, ein wacher Geist und gutmütig - so kannte jeder Ol'Brian, den Barbaren.
Wenn die Sarnak wirklich angreifen würden, dann läge es an ihm. Und an der Priesterin. Wieso bestand sie eigentlich so hartnäckig darauf, dass er seinen Geist öffnen sollte?
Er verschließt viele Teile seine Wissens, damit er die anderen nicht in Gefahr bringt.
Pedrag seufzt. Er erinnert sich daran, wie er das letzte Mal seinen Geist geöffnet hat... bei dieser Wahrsagerin in Maj'Dul. Er lag in ihrem Zelt auf bequemen Kissen, die geschäftigen Geräusche des Bazars um ihn herum. Dann nebelte sie ihn mit Rauch ein von einem Kraut, dass den Geist öffnete.
Er wusste nur noch, dass er wieder klar wurde, als er auf der Flucht
vor dem wütenden Mob einen Blick zurück warf und die meisten Zelte des Bazars lichterloh brannten und ihre Flammen anklagend gen Himmel
schickten, wo die Sha'Ir mittels Eiszauber versuchten, das Inferno zu löschen.
Pedrag schüttelt entschlossen seinen Kopf. Sein Geist würde verschlossen sein.
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